Forschung

Sendung Lebenshilfe am 22.8.2017

Die Diagnosevermittlung einer lebensbedrohlichen oder chronischen Erkrankung stellt nicht per se, aber in der Regel eine zentrale Interpunktion oder Zäsur in der Biographie dar. Die Vermittlung der Diagnose wird meist als extrem krisenhaft erlebt. Mit der Diagnosevermittlung liegt das Höhepunktereignis der Verlaufskurve noch vor den Betroffenen und deren Angehörigen. Das Selbst- und Weltbild gerät ins Wanken und Alltagsweltliche Basisidealisierungen („und-so-weiter“) werden brüchig. Die Offenheit der biographischen Zukunft steht plötzlich und meist völlig unerwartet zur Disposition.

Meine Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Vermittlung und Beratung im Kontext lebensbedrohlicher oder chronischer Erkrankungen und ihre biografische Sensibilität bei Betroffenen und ihren Angehörigen aber auch bei den Professionellen Fachpersonen (Ärzten, Psychologen, Pflegepersonal, Therapeuten, Lehrer u.v.m). Die Anwendung der biographie-analytischen Perspektiven wird in meiner Forschungsarbeit insbesondere auf Familien mit chronisch kranken Kindern sowie Kindern mit Behinderung gezeigt.

 „Behinderung, chronische Krankheit, Sterben – Herausforderung für Betroffene, Angehörige und Professionelle“

Ing. Mag. Martina Hess
Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin, Notfall- und Arbeitspsychologin, Trainerin, Coach, Supervisorin und Betroffene


LINK zur Theorie: Lehrveranstaltungsskriptum TEIL 1, © 29.08.2017, Version 11. Aug. 2017

LINK zur PRAXIS: Lehrveranstaltungsskriptum TEIL 2, persönliche Behandlungs- und Betreuungskompetenz © 29.08.2017

Akutintervention auf Basis von Psychotraumatologie und Notfallpsychologie sollte es – ganz parallel zur medizinischen ersten Hilfe – für alle von entsprechenden Ereignissen Betroffene geben. Diese sollte auch durch professionelle nichtpsychologische HelferInnen, die ohnehin mit denen die Betroffen sind zu tun haben, im Rahmen ihrer Arbeit berücksichtigt werden. Es soll zusätzliche Traumatisierung und Belastung verhindert, Angst und Hilflosigkeit vermindert und Information im Rahmen der Behandlung und Betreuung adäquat gegeben werden können. Das Ausmaß der Auseinandersetzung mit dem Leid derer, denen geholfen wird, kann in der persönlichen Behandlungs- und Betreuungssituation für die HelferInnen selbst traumatisierend sein, deshalb gilt: Selbstschutz geht vor Fremdschutz.
Welche Regeln lassen sich für die persönliche Behandlungs- und Betreuungskompetenz auf Basis von Psychotraumatologie und Notfallpsychologie ableiten? Wie betreuen wir PatientInnen und deren Angehörige nach einem traumatisierenden Ereignis und bleiben dabei selbst „gesund“ – emotionale Kontaktaufnahme vs Abgrenzung?